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Leopoldshöhe (pk). Europa (er)leben – Die Kommunen pflegen durch ihre Partnerstädte eine ganz eigene Art der Außenpolitik. Auch der Partnerschaftsverein Leopoldshöhe stiftet und fördert seit Jahrzehnten internationale Begegnungen zwischen den Bürgern.

Der Name der Französin Josephine Parrington klingt englisch. Sie hat Verwandtschaft in Großbritannien – und Freundinnen in Deutschland. Alexia Konstantinidis kommt aus Leopoldshöhe und hat Verwandtschaft in Griechenland, Freundinnen in Frankreich und gute Bekannte in Polen. Julia Christin Böhm ist Deutsche – ein Teil ihrer Freundinnen lebt in Frankreich und hält Kontakte zu Menschen in Polen. All diese Verbindungen hat der Partnerschaftsverein Leopoldshöhe gestiftet. Seit nun mehr als 30 Jahren pflegt der Leopoldshöher Partnerschaftsverein Beziehungen zu seinen Partnergemeinden Saint Gaultier (Frankreich) und Mystakowice (Polen). Der Gedanke, dass Kommunen eine Art eigene Außenpolitik betreiben sollen, geht auf den ehemaligen französischen Präsidenten Charles de Gaulle und den damaligen Bundeskanzler Konrad Adenauer zurück.

Sie vereinbarten im sogenannten Elysée-Vertrag vor mehr als 50 Jahren einen Jugendaustausch zwischen den seit vielen Jahrhunderten verfeindeten Ländern Frankreich und Deutschland. Beiderseits der Grenze sollten sich die Menschen kennenlernen umso Vorurteile abzubauen. Ein ähnliches Abkommen schlossen 1991 der ehemalige Bundeskanzler Helmut Kohl und der damalige polnische Ministerpräsident Tadeusz Mazowiecki. Dank heutiger sozial Median wie Instagram, Facebook und Snapchat gelingt dies um vieles einfacher. Die 15-jährige Josephine Parrington geht in St. Gaultier zur Schule und lebt mit ihrer Familie im Nachbarort Thenay. Die Gemeinden liegen im Zentrum Frankreichs, südöstlich von Tours und östlich von Poitier. Sie lernt Englisch als erste und Deutsch als zweite Fremdsprache. Die Begeisterung für den Schüleraustausch liegt in ihrer Familie. Ihre Mutter hatte vor rund 30 Jahren eine Austauschschülerin aus Asemissen zu Gast in ihrer Familie. Josephine Parrington war im Oktober 2017 zum ersten Mal in Leopoldshöhe. Etwa ein halbes Jahr später fand der Gegenbesuch in Frankreich statt.

Gleich darauf waren sie und ihre Familie bei der ehemaligen Austauschschülerin aus Asemissen zu Gast. Im Sommer 2018 nahmen Josephine und ihre jüngere Schwester an einer deutsch-französisch-polnischen Jugendfreizeit auf Norderney teil. Bei allen diesen Treffen begegnete Josephine Parrington Julia Böhm. Sie trafen sich in Paris bei Josephines Tante. Josephine war in der letzten Woche der Herbstferien in Oerlinghausen bei Julia zu Gast. Sie unterhalten sich auf Französisch und Englisch und stehen ansonsten über Snapchat miteinander in Kontakt. „Wir wollen Jugendliche fördern, die auch außerhalb der offiziellen Partnerschaftsbesuche in Kontakt bleiben“, sagt Eleni Konstantinidis, Geschäftsführerin des Partnerschaftsvereins. Die Treffen hallen bei den Jugendlichen nach.

„Wir haben uns mit den Polen gut verstanden“, berichtet Alexia Konstantinidis. Bis in die Nacht hätten sie zusammen Uno gespielt. Sie hätten polnischen Rap gehört und festgestellt, dass der Musikgeschmack der gleiche sei. Auch wenn die Polen insgesamt etwas konservativer seien. Die Kontakte nach der Jugendfreizeit hält Alexia über die sozialen Medien. Auch Julia Christin Böhm ist stolz darauf, dass sie mit den Jugendlichen aus anderen Ländern noch Kontakt hat. Sie hören dieselbe Musik, hätten denselben Geschmack. Josephine Parrington sagt, sie sei sehr glücklich darüber.

„Das ist richtig cool.“ Es sei wichtig, Freundschaften zu pflegen. Alexia Konstantinidis empfindet das genauso. Es könne durchaus sein, dass sie die „anderen Leute“, wie sie sagt, wieder trifft. „Man hat nicht mehr diese Vorurteile“, stellt Alexia fest. Josephine Parrington und Julia Christin Böhm können ihr da nur zustimmen.